27.09.2026 | RapidRAW – Was hat sich verändert?

RapidRAW hat sich seit meinem ersten Blick auf das Programm deutlich weiterentwickelt. Ich schaue mir an,
was neu hinzugekommen ist, was sich verändert hat und wo RapidRAW heute steht.

RapidRAW – Was hat sich seit meinem ersten Blick verändert?

Vor einiger Zeit habe ich hier im Blog zum ersten Mal über RapidRAW geschrieben. Damals war das Programm noch ziemlich neu und für mich vor allem eines: ein spannendes Projekt, bei dem sich die Frage stellte, ob daraus irgendwann eine ernsthafte Alternative zu Lightroom werden könnte. Seitdem ist einiges passiert.

Als ich RapidRAW damals ausprobierte, war der Funktionsumfang noch vergleichsweise überschaubar. Das Programm war ausschließlich auf Englisch verfügbar, bei der Unterstützung verschiedener RAW-Formate gab es noch Einschränkungen und einige Funktionen befanden sich erst am Anfang ihrer Entwicklung. Heute sieht RapidRAW deutlich anders aus. Deshalb wollte ich wissen: Was ist aus dem kleinen Newcomer geworden?

Vom jungen Projekt zum umfangreichen RAW-Editor

RapidRAW wird nach wie vor sehr aktiv weiterentwickelt. Das grundsätzliche Konzept ist dabei erhalten geblieben: RapidRAW ist ein nichtdestruktiver RAW-Editor. Die Bearbeitungen werden in sogenannten .rrdata-Sidecar-Dateien gespeichert, während die ursprünglichen Fotos unangetastet bleiben.

Der Entwickler selbst bezeichnet RapidRAW als moderne Alternative zu Adobe Lightroom. Gleichzeitig weist er ausdrücklich darauf hin, dass sich das Programm weiterhin in aktiver Entwicklung befindet und noch nicht so ausgereift ist wie etablierte Programme wie Lightroom, Darktable oder RawTherapee. Und genau diese Unterscheidung finde ich wichtig. RapidRAW ist inzwischen wesentlich umfangreicher als noch zu Zeiten meines ersten Artikels – fertig entwickelt ist es deshalb aber noch lange nicht.

Inzwischen auch auf Deutsch

Eine für mich auffällige Veränderung betrifft zunächst gar nicht die eigentliche Bildbearbeitung. Als ich meinen ersten Artikel schrieb, war RapidRAW ausschließlich auf Englisch verfügbar. Das hat sich inzwischen geändert. Deutsch kam als erste zusätzliche Sprache neben Englisch hinzu. Mittlerweile ist RapidRAW laut aktueller Dokumentation vollständig in 13 Sprachen übersetzt. Damit fällt eine Hürde weg, die gerade für Nutzer:innen angenehm sein dürfte, die ihre Bildbearbeitungssoftware lieber auf Deutsch verwenden.

Deutlich mehr Möglichkeiten bei der Bildbearbeitung

Noch wesentlich stärker hat sich RapidRAW bei seinen eigentlichen Werkzeugen entwickelt. Die Maskierungsmöglichkeiten wurden beispielsweise erheblich ausgebaut. Neben klassischen Masken stehen mittlerweile Farb- und Luminanzmasken sowie KI-gestützte Maskierungen zur Verfügung. Damit können unter anderem Motiv, Himmel und Vordergrund erkannt und maskiert werden. Auch eine tiefenbasierte Maskierung gehört mittlerweile zum Funktionsumfang.

Auch bei der Rauschreduzierung hat sich einiges getan. Neben manuellen Möglichkeiten zur Rauschreduzierung gibt es inzwischen auch eine KI-basierte Rauschreduzierung. Hinzu kommt eine automatische Objektivkorrektur auf Basis von Lensfun. Damit können Verzeichnung, transversale chromatische Aberration und Vignettierung anhand vorhandener Objektivprofile korrigiert werden.

Mit Clone und Heal sind außerdem lokale Retuschewerkzeuge hinzugekommen. Im August folgten ein Liquify-Werkzeug zum Verformen von Bildbereichen und ein Retuschewerkzeug, das unter anderem zum Glätten von Haut und feinen Strukturen verwendet werden kann. Beide Funktionen wurden anschließend mit Version 1.6.3 veröffentlicht.

Auch bei geometrischen Korrekturen wurde RapidRAW erweitert. Seit Version 1.6.3 gibt es eine geführte Perspektivkorrektur. Dabei können bis zu vier Hilfslinien direkt im Foto gesetzt werden, anhand derer die Perspektive beispielsweise bei Architekturaufnahmen korrigiert werden kann. Zuschneiden, Transformation und Objektivkorrektur wurden mit dieser Version außerdem in einem gemeinsamen Bereich zusammengeführt.

Highlight Recovery und eine überarbeitete Belichtung

Mit Version 1.6.4 kam im September 2026 eine weitere interessante Neuerung für die RAW-Entwicklung hinzu. Die Highlight Recovery wurde überarbeitet. RapidRAW kann seitdem abgeschnittene Lichter beziehungsweise Farbkanäle anhand noch vorhandener Informationen aus den übrigen Farbkanälen rekonstruieren.

Im Zuge dieser Überarbeitung wurde auch die Belichtungsverarbeitung verändert. Der bisherige Regler „EV Shift“ wurde zum Exposure-Regler und arbeitet nun als lineare Belichtungsanpassung auf den Bilddaten vor dem Tone Mapping. Der zuvor als Exposure bezeichnete Regler heißt dagegen mittlerweile Brightness und arbeitet nach dem Tone Mapper. Damit lässt sich die wahrgenommene Bildhelligkeit verändern, ohne auf dieselbe Weise in die eigentliche Belichtung vor dem Tone Mapping einzugreifen.

HDR, Panorama, Focus Stacking und KI

Auch über die klassische RAW-Entwicklung hinaus ist RapidRAW gewachsen. Mehrere Aufnahmen können zu einem HDR zusammengeführt werden. Außerdem besitzt RapidRAW einen Panorama-Stitcher zum Zusammenfügen überlappender Aufnahmen.

Mit Version 1.6.2 kam im August 2026 zusätzlich Focus Stacking hinzu. Dabei werden mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokusebenen zu einem Foto mit größerer durchgehender Schärfe beziehungsweise Schärfentiefe zusammengeführt. KI spielt ebenfalls eine wesentlich größere Rolle als noch zu Beginn. Neben den bereits erwähnten Maskierungs- und Rauschreduzierungsfunktionen gibt es beispielsweise einen tiefenbasierten Lens-Blur-Effekt, mit dem sich Bereiche eines Fotos gezielt unscharf darstellen lassen.

Auch bei der Retusche kommen inzwischen KI-gestützte Funktionen zum Einsatz. RapidRAW bietet beispielsweise Werkzeuge zum Entfernen beziehungsweise Ersetzen von Bildinhalten. Ein Teil dieser Funktionen läuft lokal auf dem eigenen Gerät. Für weitergehende generative Funktionen sieht RapidRAW außerdem die Anbindung eines optionalen KI-Backends vor.

Auch die Bildverwaltung ist gewachsen

RapidRAW entwickelt sich nicht nur bei der eigentlichen Bildbearbeitung weiter. Auch die Verwaltung und Auswahl der Fotos ist wesentlich umfangreicher geworden. Fotos lassen sich unter anderem mit Bewertungen, Farblabels und eigenen Tags organisieren. Hinzu kommen virtuelle Kopien sowie verschiedene Möglichkeiten zum Sortieren und Filtern der eigenen Aufnahmen.

Interessant finde ich außerdem die sogenannte Culling View. Damit lassen sich bis zu sechs Aufnahmen gleichzeitig nebeneinander betrachten. Bewertungen können direkt vergeben und wichtige Metadaten zu den Aufnahmen angezeigt werden. Gerade wenn mehrere sehr ähnliche Fotos entstanden sind, kann eine solche Vergleichsansicht für die Bildauswahl praktisch sein.

Mit Version 1.6.4 ist außerdem eine Masonry-Ansicht für die Bibliothek hinzugekommen. Dabei werden die Vorschaubilder in einem Raster angeordnet, das den verfügbaren Platz möglichst vollständig nutzt. Zusätzlich wurde eine Vor- und Zurücknavigation zwischen Ordnern integriert.

Auch bei den Metadaten und beim Export wurde weitergearbeitet. RapidRAW unterstützt verschiedene Exportformate, darunter JPEG, PNG, TIFF, WebP, AVIF und JPEG XL. Seit Version 1.6.4 wird außerdem der Export als 16-Bit-TIFF unterstützt. Bereits mit Version 1.6.2 wurde die Übernahme von EXIF-Metadaten beim Export erweitert; in den folgenden Versionen wurden weitere Fehler bei der EXIF-Verarbeitung korrigiert.

Und was ist aus der Fuji-Unterstützung geworden?

In meinem ersten Artikel hatte ich ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Fuji-RAW-Dateien damals noch nicht unterstützt wurden. Auch hier hat sich einiges getan. RapidRAW unterstützt mittlerweile eine deutlich größere Zahl unterschiedlicher RAW-Formate und führt Fujifilm-RAF-Dateien ausdrücklich in der aktuellen Liste der unterstützten Formate auf.

Dort wird .raf sowohl für Fujifilm-Kameras mit X-Trans- als auch mit Bayer-Sensoren genannt. Mein damaliger Hinweis, Fuji-RAW-Dateien würden nicht unterstützt, ist damit heute überholt.

Film-Emulationen und Kamera-Tethering

RapidRAW 1.6.2 brachte im August 2026 noch weitere größere Neuerungen. Dazu gehören integrierte analoge Film-Emulationen auf Basis des Open-Source-Projekts Spektrafilm. Außerdem wurde Kamera-Tethering integriert. Eine Kamera kann dabei über USB mit RapidRAW verbunden werden. Die Funktion bietet unter anderem Live View, die Steuerung verschiedener Kameraeinstellungen und die direkte Übernahme der aufgenommenen Fotos in die aktuelle Bibliothek.

Allerdings gibt es hierbei eine wichtige Einschränkung: Das Kamera-Tethering steht derzeit nur unter macOS und Linux zur Verfügung. Dafür wird libgphoto2 benötigt und RapidRAW stellt gesonderte Tethering-Versionen bereit. Windows und Android werden für diese Funktion derzeit ausdrücklich nicht unterstützt.

Und die Entwicklung geht weiter

Wie schnell sich RapidRAW momentan verändert, zeigt allein der September 2026. Am 3. September erschien Version 1.6.3 unter anderem mit Liquify, Retuschewerkzeug und geführter Perspektivkorrektur. Außerdem wurden die Kanten der KI-Motivmasken überarbeitet sowie Zuschneiden, Transformation und Objektivkorrektur stärker zusammengeführt.

Bereits am 17. September folgte Version 1.6.4. Zu den Neuerungen gehören die überarbeitete Highlight Recovery, Änderungen an der Belichtungsverarbeitung, eine Masonry-Ansicht für die Bibliothek, die Vor- und Zurücknavigation zwischen Ordnern sowie der Export als 16-Bit-TIFF. Daneben wurden erneut Fehler behoben und bestehende Funktionen überarbeitet.

RapidRAW ist damit weniger ein Programm mit einem bereits feststehenden Funktionsumfang als vielmehr ein Projekt, das sich derzeit sichtbar und in kurzen Abständen weiterentwickelt.

Ist RapidRAW heute eine Alternative zu Lightroom?

Genau diese Frage stand bereits bei meinem ersten Artikel im Raum. Meine Antwort fällt heute etwas anders aus als damals.

RapidRAW ist innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit enorm gewachsen. Aus dem noch recht jungen und deutlich eingeschränkteren Programm ist ein RAW-Editor geworden, der inzwischen zahlreiche Funktionen mitbringt, die man auch von umfangreicheren Bildbearbeitungsprogrammen kennt.

Trotzdem würde ich Lightroom deswegen nicht einfach für überflüssig erklären. RapidRAW befindet sich weiterhin in aktiver Entwicklung und ist nach eigener Aussage des Entwicklers noch nicht so ausgereift wie Lightroom, Darktable oder RawTherapee.

Für mich liegt gerade darin aber auch ein Teil des Reizes. Bei meinem ersten Blick auf RapidRAW war vor allem interessant, was aus diesem jungen Projekt einmal werden könnte. Heute lässt sich bereits sehen, wie viel daraus innerhalb relativ kurzer Zeit entstanden ist. Und fertig ist die Entwicklung offenbar noch lange nicht.

Mein Fazit

In meinem ersten Artikel schrieb ich: „Vielleicht entsteht daraus irgendwann ein starkes Tool, das Lightroom echte Konkurrenz macht. Ich werde die Entwicklung jedenfalls aufmerksam verfolgen.“ Genau das habe ich getan. Und heute würde ich sagen: RapidRAW ist diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen.

Nicht jede Funktion eines etablierten Programms ist vorhanden oder gleich ausgereift. Gleichzeitig sind zahlreiche Möglichkeiten hinzugekommen, die es bei meinem ersten Blick auf RapidRAW noch überhaupt nicht gab. Besonders bei Maskierungen, KI-Werkzeugen, Bildverwaltung, RAW-Verarbeitung und zusätzlichen Bearbeitungsfunktionen zeigt sich, wie stark sich das Programm weiterentwickelt hat.

Für mich bleibt RapidRAW deshalb ein spannendes Projekt, dessen weitere Entwicklung ich auch künftig verfolgen werde.

Hinweis:
RapidRAW wird sehr aktiv weiterentwickelt. Die Angaben zu Funktionen und Entwicklungsstand in diesem Artikel beziehen sich auf den Stand vom 27. September 2026 und RapidRAW 1.6.4. Spätere Versionen können Funktionen verändern, erweitern oder neu hinzufügen.

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