10.08.2026 | Acht kleine Collies

Acht kleine Collies vor meiner Kamera – quirlig, neugierig und voller Energie.
Ein Nachmittag, der so lebendig wurde wie seine kleinen Hauptdarsteller.

Manchmal liegen neue Fotomotive näher, als man denkt. In meinem Fall sogar nur wenige Häuser entfernt. In meiner Straße wohnt eine Collie-Züchterin, die ich schon seit längerer Zeit immer wieder mit ihren Hunden spazieren gehen sah. Wirklichen Kontakt hatten wir allerdings nie. Viel mehr als ein freundliches „Guten Tag“, ein fröhliches „Hallo“, vielleicht ein paar Streicheleinheiten für die Hunde und ein oder zwei gewechselte Sätze waren es nicht.

Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich mich fotografisch gerne einmal an Hunden versuchen würde. Bis dahin hatte ich vor allem Menschen vor meiner Kamera gehabt – warum also nicht einmal vierbeinige Models? Mich reizte nicht nur das Motiv selbst. Ich wollte auch herausfinden, wie es sich anfühlt, Hunde zu fotografieren, die sich schließlich nicht einfach anleiten und positionieren lassen wie ein Mensch.

Also nahm ich meinen Mut zusammen und fragte die Züchterin, ob ich ihre beiden Collie-Hündinnen Zarah und Fleur fotografieren dürfte. Sie freute sich über meine Anfrage und stimmte gerne zu.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Aus meiner Idee, einmal zwei Collies zu fotografieren, sollte schon bald ein deutlich größeres fotografisches Abenteuer werden.

Erst zwei Collies – und dann plötzlich acht Welpen

Bei einem anschließenden Telefonat erfuhr ich nämlich, dass Zarah trächtig war – mit acht Welpen. Einige Tage später lud mich die Züchterin zu sich ein. In ihrem Garten konnte ich Zarah und Fleur nun etwas näher kennenlernen und natürlich auch fotografieren. Trotz des warmen Wetters wurde daraus ein wunderschöner und ziemlich unterhaltsamer Nachmittag.

Fleur, ein Collie, bei einem Fotoshooting im Garten

Fleur

Zarah, ein Collie, bei einem Fotoshooting im Garten

Zarah

Bei einer Tasse Kaffee erfuhr ich einiges über die beiden Hündinnen und ihre unterschiedlichen Charaktere. Besonders Fleur schien schnell herausgefunden zu haben, dass man sich von mir nicht nur fotografieren, sondern auch ganz hervorragend mit Streicheleinheiten verwöhnen lassen konnte. Gegen diese Form der Zusammenarbeit hatte sie offensichtlich überhaupt nichts einzuwenden.

Schon bei diesem Treffen stand fest: Auch Zarahs Nachwuchs sollte später vor meine Kamera. Ende Mai brachte Zarah schließlich ihre acht Welpen zur Welt. Nun hieß es allerdings erst einmal warten. Die Kleinen mussten schließlich noch ein wenig wachsen, bevor sie ihren großen Fototermin bekommen konnten. Anfang Juli war es dann so weit.

Willkommen im Welpenchaos

Als ich den Garten betrat, war das Setting bereits aufgebaut. Die Züchterin hatte sich für ihre Welpen ein ganz bestimmtes Setting gewünscht: Auf einem Tisch standen ein kleiner Reisekoffer, eine Decke und verschiedene Spielsachen bereit. Meine Aufgabe bestand nun darin, dieses Setting fotografisch so einzusetzen, dass bei all den Farben und Details der kleine Hund vor meiner Kamera trotzdem im Mittelpunkt blieb.

Und dann war da noch die Sonne. Sie stand hoch am Himmel und machte mir das Fotografieren nicht gerade leichter. Gemeinsam mit der Züchterin versuchte ich, das Set so gut wie möglich abzuschatten und improvisierten dabei sogar mit einem Handtuch. Vollständig ließ sich das Sonnenlicht damit allerdings nicht kontrollieren.

Für mich bedeutete das: beobachten, reagieren und mit den vorhandenen Bedingungen arbeiten. Ich musste auf helle Bereiche achten, gleichzeitig genügend Licht auf den Welpen behalten und trotz des teilweise unruhigen Umfelds versuchen, den Blick im Foto auf mein eigentliches Motiv zu lenken.

Als wäre das noch nicht Herausforderung genug gewesen, kamen nun meine acht Models ins Spiel. Und die hatten von unseren fotografischen Plänen ihre ganz eigenen Vorstellungen. Still sitzen? In die Kamera schauen? Vielleicht sogar einige Sekunden genau dort bleiben, wo man gerade hingesetzt wurde? Völlig überbewertet. Stattdessen hatte ich es mit acht kleinen Welpenraketen zu tun.

Mal wurde gezappelt, mal in eine völlig andere Richtung geschaut, mal herumgealbert – und manchmal war der schöne Moment bereits wieder vorbei, bevor man überhaupt darüber nachdenken konnte. Die Züchterin unterstützte mich während des Fotografierens immer wieder und versuchte, die Aufmerksamkeit der Kleinen in Richtung Kamera zu lenken. Manchmal funktionierte das hervorragend. Und manchmal interessierte sich der jeweilige Welpe für ungefähr alles auf dieser Welt – nur nicht für meine Kamera.

Für mich hieß es deshalb vor allem: aufmerksam bleiben. Jede Sekunde konnte sich genau der Ausdruck zeigen, auf den ich wartete.

Perfekt? Musste es gar nicht sein.

Bei diesem Tag wurde mir schnell klar, dass Perfektion gar nicht das Wichtigste war. Natürlich sollten die Fotos technisch funktionieren. Schärfe, Licht, Bildaufbau und eine saubere Entwicklung verschwinden schließlich nicht plötzlich aus der Fotografie, nur weil das Model vier Pfoten besitzt und ausgesprochen niedlich ist. Aber mindestens genauso wichtig waren mir Authentizität, Lebendigkeit und Persönlichkeit.

Ein neugieriger Blick, ein geöffnetes Mäulchen, eine herausgestreckte Zunge oder eine kleine Pfote, die plötzlich irgendwo auftauchte – genau diese Momente machten das Fotografieren für mich aus.

Die Welpen sollten Welpen sein dürfen. Und das waren sie. Mit allem, was dazugehört. Das Fotografieren war dadurch mitunter durchaus schweißtreibend. Gleichzeitig wurde es aber auch eines der schönsten fotografischen Erlebnisse, die ich bis dahin hatte. Es war lebendig, unberechenbar, manchmal ein kleines bisschen chaotisch – und vor allem voller Welpenpower.

Acht Welpen, acht kleine Persönlichkeiten

Vor meiner Kamera standen an diesem Tag Daria, Dean Martin, Diana, Dolly, Dante, Dick Brave, Dream Leyla und Diva.

Obwohl sie alle Geschwister sind, brachte jeder der acht Welpen seinen ganz eigenen Ausdruck mit.

Collie-Welpe Daria sitzt mit geöffnetem Mäulchen in einem Reisekoffer

Daria

Collie-Welpe Dean Martin blickt aus einem geöffneten Reisekoffer

Dean Martin

Collie-Welpe Diana liegt neben buntem Spielzeug auf einer Decke

Diana

Collie-Welpe Dolly blickt aus einem geöffneten Reisekoffer, wobei eine Pfote auf dem Kofferrand liegt

Dolly

Collie-Welpe Dante sitzt in einem geöffneten Reisekoffer

Dante

Collie-Welpe Dick Brave sitzt mit geöffnetem Mäulchen in einem Reisekoffer

Dick Brave

Collie-Welpe Dream Leyla sitzt mit herausgestreckter Zunge zwischen Spielzeug und Reisekoffer

Dream Leyla

Collie-Welpe Diva schaut mit beiden Pfoten über den Rand eines Reisekoffers

Diva

Bei der Auswahl der Fotos war mir deshalb wichtig, nicht einfach acht möglichst ähnliche Aufnahmen zu zeigen. Jeder Welpe sollte mit einem Foto vertreten sein, das etwas von ihm zeigt: mal ruhig und aufmerksam, mal neugierig, mal fröhlich – und manchmal eben mitten im ganz normalen Welpenwahnsinn.

Eine kleine Besonderheit gab es innerhalb des Wurfes außerdem: Dream Leyla war als einziger der acht Welpen anders gefärbt als ihre Geschwister und fiel damit natürlich sofort ins Auge. Und trotzdem galt für alle acht das Gleiche: Lange still sitzen gehörte eindeutig nicht zu ihren Kernkompetenzen. Zum Glück. Sonst wäre das Fotografieren vermutlich nur halb so lustig geworden.

Von der Speicherkarte zum fertigen Foto

Nach dem Fotografieren begann der wesentlich ruhigere Teil meiner Arbeit: die Aufnahmen sichten, aussortieren und anschließend entwickeln. Bei der Bearbeitung war mir wichtig, nicht zu übertreiben. Das Fell sollte weiterhin nach Fell aussehen, die Augen sollten natürlich bleiben und aus den kleinen Collies keine künstlich perfekten Plüschtiere werden.

Die Fotos durften sauber entwickelt sein – aber sie sollten weiterhin die kleinen Hunde zeigen, die an diesem Tag tatsächlich vor meiner Kamera herumgewuselt waren. Trotz sorgfältiger Auswahl und Bearbeitung dauerte es nicht lange, bis ich der Züchterin die fertigen Aufnahmen überreichen konnte.

Und ihre Reaktion hätte für mich kaum schöner sein können. Sie war begeistert von den Fotos, bedankte sich gleich mehrfach bei mir und sagte mir immer wieder, wie toll sie die Aufnahmen fand. Schon kurz darauf fanden die Fotos ihren Weg ins Internet und wurden auf ihrem Facebook-Profil veröffentlicht.

Auch dort bekamen sie viel Zuspruch. Unter anderem war zu lesen:

„Hach wunderschön sind die Fotos, voll der Zuckerschock. Kompliment an die Fotografin.“ Ein anderer Kommentar lautete: „Mega schöne Bilder von den zuckersüßen Wichtelchen, ein riesiges Kompliment an die Fotografin! Mein Zuckerschock für heute ist perfekt!“ Und auch ein: „Mega tolle Fotos, Kompliment an die Fotografin.“ war darunter zu finden.

Natürlich freue ich mich über solche Rückmeldungen. Nicht jedem Menschen muss meine Art der Fotografie gefallen. Fotos werden unterschiedlich wahrgenommen, Geschmäcker unterscheiden sich und auch Fotografie darf unterschiedlich beurteilt werden. Aber wenn die Menschen, für die meine Fotos entstanden sind, sie voller Freude betrachten, sie gerne zeigen und vielleicht sogar ein bisschen stolz auf sie sind, dann bedeutet mir das sehr viel.

Denn letztlich ist genau das für mich ein wichtiger Teil meiner Fotografie: Ich möchte Fotos schaffen, über die sich ihre Empfänger freuen. Wenn mir das gelingt, bin auch ich glücklich.

Und wenn dafür acht kleine Welpenraketen meine fotografischen Pläne durcheinanderbringen, die Sonne macht, was sie will und ein Handtuch kurzerhand zum improvisierten Sonnenschutz umfunktioniert werden muss, dann ist das eben manchmal Fotografie. Nicht vollkommen planbar. Nicht immer perfekt. Aber lebendig. Und genau deshalb werde ich mich an diesen Tag wohl noch sehr lange erinnern.

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